ASV "Mittlere Nied" Hemmersdorf e.V.
 
 

Naturnahe Fließgewässerunterhaltung als Maßnahme gegen die Folgen des Klimawandels

Steigende Temperaturen und Trockenphasen sind in den letzten Jahren auch zunehmend an unserem Hausgewässer, der Nied bei Hemmersdorf, zu beobachten. Nach unserer Einschätzung handelt es sich hierbei um Folgen des Klimawandels. Chemisch-physikalische Wasseruntersuchungen zeigten im Sommer auffällig hohe Wassertemperaturen bis zuletzt 25°C im August 2020. Diese Werte sind bekanntermaßen für viele Fischarten, insbesondere für Salmoniden, vor allem für die Brut, als ungünstig einzustufen.

Ein Zusatzfaktor für die steigenden Wassertemperaturen scheint uns ein überalterter und somit teils wegbrechender Baumbestand zu sein, der mit einer unzureichenden Beschattung einhergeht.

Der abnehmende Baumbestand geht zudem einher mit weniger ufernahen Unterständen. Große, im Wasser wurzelnde Erlen und Weiden können wir vereinzelt noch an unserem Streckenabschnitt als Fischunterstände ausmachen. Dicke Brettwurzeln der Flatterulme führen gerade in den Flachwasserbereichen zu kleinen Kiesbänken, die dringend als Laichgründe gebraucht werden.

Wir haben an 17 ausgesuchten Stellen Pflanzungen durchgeführt. Dazu wurden Schwarzerlen, Silberweiden und Flatterulmen aus Saatgut vom heimischen Bestand zu pflanzfähigen Bäumen aufgezogen. Von April 2020 bis April 2021 wurden 150 Bäume, davon ca. 100 Schwarzerlen, 15 Flatterulmen und 35 Silberweiden unter Nutzung von Wuchshüllen gepflanzt. Sie dienen als Verbissschutz und bieten dem jungen Baum gerade in den Sommermonaten ein günstigeres Mikroklima, da sie Feuchtigkeit länger halten können. Dennoch waren aufgrund der hohen Temperaturen und der langen Trockenphasen im Sommer 2020 regelmäßige Bewässerungen der Neupflanzungen notwendig.

Ziel unseres Projektes ist es, dem Klimawandel entgegenzuwirken, indem wir versuchen, die ansteigende Wassertemperatur durch eine bessere Beschattung zu reduzieren oder zumindest einen weiteren Anstieg zu verhindern, somit auch temperaturempfindlicher Brut eine bessere Überlebenschance zu geben, Kiesbänke als Laichgründe in ihrer Entstehung zu fördern und mehr Fischunterstände zu erhalten. So erhoffen wir uns einen positiven Effekt auf den Fischbestand, indem wir die natürliche Reproduktion fördern.

Das Projekt zur Niedbepflanzung wurde von uns in Eigenleistung initiiert und durchgeführt. Da die Pflanzstellen im Bereich von Natura 2000-Schutzgebieten liegen, wurde die Zustimmung des Umweltministeriums benötigt. Zudem wurden die Pflanzungen beim Landesamt für Umwelt und Verbraucherschutz angezeigt. Beide Behörden und auch im Besonderen die Naturlandstiftung Saar standen uns beratend zur Seite. Die Bäume wurden auf fremden Grund und Boden gepflanzt. Hierzu mussten im Vorfeld die Zustimmung von circa 50 Grundstückseigentümern eingeholt werden. Das Projekt wurde von der Saarland-Sporttoto GmbH mit 3000,00 € gefördert.

Der ASV „Mittlere Nied“ Hemmersdorf e.V. setzt sich für den Erhalt bedrohter Arten der heimischen Flora und Fauna auch außerhalb des Wassers ein

Im Rahmen unseres Projektes zur Niedbepflanzung wurde auch die seltene und vom Aussterben bedrohte Flatterulme genutzt. Es wurden 15 Exemplare gepflanzt, sowie 150 weitere Exemplare aus unserer Aufzucht der Naturlandstiftung Saar zur Realisierung eigener Projekte im Herbst 2020 übergeben.

Zudem starteten wir Anfang 2021 einen Wiederansiedlungsversuch für den Wiedehopf. Bei unseren Pflanzungen sind uns Gewässerabschnitte an der Nied aufgefallen, die sich als Lebensraum eignen würden, wie z.B. nicht zu dicht bepflanzte Streuobstwiesen.

Der Wiedehopf wird auf der Roten Liste der Brutvögel des Saarlandes (9. Fassung von 2020) geführt. Der letzte offizielle Nachweis datiert von 1988. (Rote Liste und Gesamtartenliste der Brutvögel (Aves) des Saarlandes 2020). Im Rahmen unseres Pflanzprojektes stehen wir mit vielen Grundstückseigentümern im engen Austausch.

Wir haben mit einigen Grundstückseigentümern eine Vereinbarung zur Aufstellung von Nistkästen getroffen. 3 Nistkästen wurden in Eigenleistung hergestellt und bereits im Bereich aussichtsreicher Stellen aufgestellt. Wir sind auf Berichte über eine Brutpopulation im angrenzenden Elsass gestoßen, die auf ihrem Weg dorthin ins Saarland ziehen soll. Das und nicht offiziell bestätigte Wiedehopfsichtungen im Niedtal lassen uns hoffen, dass unser Unterfangen erfolgreich sein kann.

Mit zwei Infotafeln an der Nied informieren wir über unser Projekt.